Prag Juni 2013

Prag, die Stadt der vielen Brücken, des leckeren Bieres und des guten Essens. So oder so ähnlich heißt es im Berliner Volksmund. Und vorweg, auch wenn die Herkunft dieses Sprichwortes unbekannt  und die Wahrscheinlichkeit der freien Erfindung äußerst hoch ist, so trifft es doch vollkommen zu.

Karlsbrücke

Nach einer sechstündigen Bahnfahrt, die wegen des vergangenen Hochwassers und der damit einhergegangenen Beschädigung des Gleissystems noch etwas länger als geplant dauerte, kamen wir am Prager Hauptbahnhof an. Allerdings hatte das geringe Reisetempo auch seine Vorteile, da die Landschaft im Elbsandsteingebirge definitiv sehenswert ist. Die Deutsche Bahn darf sich allerdings gerne den Komfort des EuroCity für ihre IC-Flotte abschauen, da mein Hinterteil in der billigen Klasse noch nie besser gebettet war.

Was am Hbf zuerst auffiel : das heillose Durcheinander. Nach mehrminütigem Suchen fanden wir unser erstes Ziel, die Wechselstube. Also fix 50€ gewechselt und schon die erste Touristenfalle abgegrast; kleingedruckt unter den ganzen Wechselkursen stand die unerhörte Provision von 19%. Dumm nur, dass uns das erst nach dem Wechseln auffiel. Nachdem wir noch ein 3-Tages-Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel in Höhe von 310 CZK (ca. 12€ , liebe Grüße an die BVG) organisiert hatten ging es erstmal ins Hotel, um die Rucksäcke abzuladen. Die Infrastruktur ist echt super, und somit waren wir in knapp 15 Minuten im ruhigen Praha 2 und haben erstmal unser Zimmer begutachtet. Alles in Ordnung, außer der fehlenden Toilettentür… Dafür war ein überaus leistungsfähiger Lüfter installiert 😀

Die Erkundungslust packte uns relativ schnell, und so zogen wir los, um die Stadt zu erkunden. Bewaffnet mit den gottgegebenen Kommunikationsmitteln Händen und Füßen machten wir uns auf den Weg Richtung Moldau, um bis zur Karlsbrücke zu spazieren. Die Einheimischen waren trotz manchmal mangelnder Englischkenntnisse überaus freundlich und hilfsbereit, und so fanden wir unseren Weg vorbei am „tanzenden Haus“ zur Karlsbrücke.

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Tanzendes Haus

Und wie das nunmal so in einer Biernation ist, trifft man direkt Bierliebhaber eines anderen Landes. Ein paar Iren waren auf Städtetour in Europa, und nach Amsterdam war Prag ihr bisher zweites Ziel. Nach einem Gruppenfoto und einem netten Gespräch wurde mir die Ehre zuteil, mit geborgtem Erkennungs-Tshirt inmitten der irischen Meute zu posieren. Ich kam mir kleidungstechnisch vor wie am St. Patrick’s Day!

St. Patricks Day revival

St. Patricks Day revival

An der Karlsbrücke angekommen, waren wir von den Menschenmassen überwältigt, und so entschlossen wir uns, in den nahe gelegenen Park um den Petrin Hügel zu gehen. Ein riesiges Areal, und da wir die Seilbahn nicht nehmen wollten, verliefen wir uns und fanden daher leider nicht den 60 Meter hohen „Eiffelturm“ Prags, der 1891 anlässlich einer Industrieausstellung gebaut wurde und einen umwerfenden Blick auf die Altstadt bieten soll. Da wir hungrig und leicht erschöpft waren, beschlossen wir, die Besichtigung an einem anderen Tag nachzuholen.

Petrin Hügel

Petrin Hügel

Menschenmenge auf der Karlsbrücke

Menschenmenge auf der Karlsbrücke

Aus sicherer Entfernung =)

Aus sicherer Entfernung =)

Die Essensbeschaffung gestaltete sich schwieriger als erwartet, da wir in der näheren Umgebung nur Touristenrestaurants mit Menüangeboten fanden, oder uns schon die Menütafeln nicht unbedingt ansprachen. Es wurde also ein kleiner Snack auf die Hand, der nicht gerade typisch tschechisch (Pizza) , dafür aber günstig und lecker war.

Hühner wollten wir beim Essen nicht unbedingt treffen =)

Hühner wollten wir beim Essen nicht unbedingt treffen =)

Gestärkt ging es weiter Richtung jüdisches Viertel. Wir kamen am Opernhaus vorbei und wollten eignetlich den jüdischen Friedhof besichtigen, der allerdings leider geschlossen war. Trotzdem lohnte sich der Marsch durch das ehemalige Prager Ghetto, da die Fassaden der Altbauten wunderschön saniert sind und somit das Herz eines jeden Architekturliebhabers höher schlagen lassen.

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Opernhaus

Opernhaus

Nach weiterem Marschieren durch die wunderschöne Stadt kehrten wir abends bärenhungrig im Ferdinanda ein, was sich als Glücksgriff herausstellte. Die Preise waren mehr als günstig und das Biersortiment sehr gepflegt. Wir teilten uns zu zweit ein riesiges Eisbein und ein paar Bierchen, und bezahlten ca. 500 CZK ( ca. 20€). Die Qualität des Essen war vollkommen in Ordnung, deftig und sättigend, aber nicht auf Gourmetniveau (welches wir sowieso nicht suchten). Die Inneneinrichtung war eher zweckmäßig, aber das Publikum zum größten Teil einheimisch, was in unseren Augen ein gutes Indiz für gute Qualität ist. Pappensatt machten wir uns auf den Heimweg, um am nächsten Tag früh aufzustehen und die Touristenmassen an der Karlsbrücke zu umgehen.

Kleines Eisbein gefällig?

Kleines Eisbein gefällig?

Der Wecker klingelt um 5.30, die Augen blinzeln müde im Morgenlicht, und unsere Körper quälen sich aus dem Bett. Was man nicht alles tut, um den Menschenmassen zu entkommen. Nach weiteren 45 Minuten kamen wir an der Karlsbrücke an, und so konnten wir den Krönungsweg der böhmischen Könige ohne Platzangst beschreiten und uns Zeit für ein paar Fotos lassen. Die Brücke wurde im 14. Jahrhundert errichtet, gilt als eine der ältesten erhaltenen Brücken über die Moldau und die besterhaltenste Steinbrücke Europas, und verbindet die Altstadt mit der Kleinseite Prags. Auf der Brücke befinden sich 30 Statuen verschiedener Heiliger, die ich jetzt aber nicht alle aufzählen werde =)

Altstädter Brückenturm

Altstädter Brückenturm

Blick Richtung Kleinseite, im Hintergrund die Prager Burg

Blick Richtung Kleinseite, im Hintergrund die Prager Burg

Ob König und Königin auch hier posierten?

Ob König und Königin auch hier posierten?

Blick von der Kleinseite aus

Blick von der Kleinseite aus

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Nach einer kurzen Erkundung der Kleinseite trieb uns der Hunger wieder Richtung Hotel, in dem noch unser Frühstück auf uns wartete. Auf dem Weg war aber noch Zeit für ein paar Bilder, unter anderem vom Denkmal in Form einer zerissenen tschechischen Flagge auf dem Klarov-Platz, die an die Jahre des Widerstands von 1938-1945 erinnern soll.

Denkmal an den Widerstand 1938-1945

Denkmal an den Widerstand 1938-1945

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Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es Richtung Prager Burg. Diese im 9. Jahrhundert entstandene Burg bildet das größte geschlossene Burgareal der Welt und liegt auf dem Berg Hradschin. Heute ist sie die offizielle Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Auf dem Gelände befindet sich auch der mächtige, im gotischen Baustil ab 1344 errichtete Veitsdom, der mit seinem 124m langen Hauptschiff und dem 60m breiten Querschiff die größte Kathedrale Tschechiens darstellt. Zu den bekanntesten Gräbern zählt wohl die Ruhestätte von Kaiser Karl IV. , aber auch einige andere Könige und Königinnen liegen dort begraben. Das gesamte Burggelände ist riesig, und so vergingen einige Stunden, bis wir die imposante Stätte wieder verließen.

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Veitsdom

Veitsdom

Teil des Hauptschiffs

Teil des Hauptschiffs

Mittelschiff

Mittelschiff

Decke =)

Decke =)

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Selbst als Statue Buße tun

Selbst als Statue Buße tun

Schattenspiele im Dom

Schattenspiele im Dom

alte Burghäuser

Goldenes Gässchen , in dem 1917 kurzfristig auch Franz Kafka lebte

Attacke!

Attacke!

Must be the reason why I'm king of my castle

Must be the reason why I’m king of my castle

Aber auch die Umgebung der Burg ist wunderschön, mit teilweise tollen Ausblicken auf die Kleinseite und die Altstadt.

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Es zog uns in den Letna Park, um ein wenig zu entspannen und auch den dortigen Ausblick, vor allem auf die Altstadt und die Brücken, zu bestaunen.

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Da es langsam spät wurde, machten wir uns auf in Richtung Hotel, da in der Nähe ein gutes Restaurant, das U-Bulinu sein sollte. Nach längerem Suchen und Durchfragen fanden wir es auch, nur war es leider just an dem Tag geschlossen. Wir fanden in der Nähe aber ein anderes nettes Lokal, in dem das Essen gut, die Bierchen kühl und die Preise super waren. Da am nächsten Tag unsere Rückreise am Nachmittag anstand, und wir noch einiges sehen und evtl eine Runde shoppen wollten, machten wir uns danach auf den Weg zurück in unser Hotel.

Der letzte Tag brach an, also packten wir unsere Rucksäcke, frühstückten wieder ausgiebig und machten uns dann auf den Weg zum Hauptbahnhof, um unser Gepäck in einem Schließfach zu hinterlegen und unbeschwert ein letztes Mal durch Prag zu ziehen. Auf dem Programm stand nochmal die pittoresque Kleinseite, in der wir diesmal die John-Lennon-Mauer aufsuchten. Das Originalporträt ist längst übermalt worden, aber Nachahmer versuchen sich immer wieder an dem genialen Beatles-Mitglied. 1988 bemalten einige Studenten die Mauer mit Beschwerden über die Regierung, was zu Auseinandersetzungen von hunderten Studenten und der Polizei auf der Karlsbrücke führte. Die Bewegung wurde im Nachhinein als Lennonismus bezeichnet, wobei die Regierung von Alkoholikern, Geisteskranken, Soziopathen und westlichen Agenten sprach. Heute steht die Wand für die Ideale der Jugend wie Liebe und Frieden. Da ich immer einen Edding dabei habe, verewigten auch wir uns auf der Mauer =)

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Weiter ging es wieder Richtung Petrin Hügel, wobei wir zuerst am Denkmal für die Opfer des Kommunismus vorbei kamen. Ein Bronzestreifen entlang der Mitte des Denkmals zeigt die geschätzte Zahl der Opfer des Kommunismus in Tschechien. Dazu kurz ein paar Daten:

  • 205.486 verhaftet
  • 170.938 ins Exil gezwungen
  • 4500 im Gefängnis gestorben
  • 327 auf der Flucht erschossen
  • 248 hingerichtet

Eine Bronzetafel in der Nähe trägt folgende Inschrift: „Die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus ist allen Opfern gewidmet – nicht nur denjenigen, die eingesperrt oder hingerichtet wurden, sondern auch denjenigen, deren Leben durch die totalitäre Gewaltherrschaft ruiniert wurde.

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Da die Seilbahn auf den Petrin Hügel nicht weit entfernt war, ließen wir uns dieses Mal nicht lumpen und nahmen selbige hinauf. Die Fahrt wird mit dem 3-Tages-Ticket abgedeckt, also hatten wir dort keine weiteren Ausgaben. Oben angekommen bestiegen wir die 299 Treppen des „Eiffelturms“, um die Aussicht zu genießen. Allerdings ist die oberst Plattform nichts für sensible Mägen, da der Turm bei Wind ziemlich schwankt. Man wird allerdings mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt, von daher eine empfehlenswerte Station in Prag!

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Unsere Zeit in dieser wunderschönen Stadt neigte sich dem Ende entgegen, und so möchte ich mit ein paar abschließenden Bildern und einem Resumee enden. Prag ist eine lohnenswerte Stadt, mit vielen Sehenwürdigkeiten, die schnell und einfach zu erreichen sind. Die Prager sind sehr freundlich und offen, jedenfalls insofern wir das nach drei Tagen beurteilen können. Für den kleinen Geldbeutel ein Reiseziel, das sich lohnt, vom leckeren Bier einmal ganz abgesehen.

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Na shledanou, Praha!!

Na shledanou, Praha!!

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